Der Griff in meine Handtasche geht ins Leere. In der Seitentasche, da, wo sonst mein Handy steckt, finde ich nur meinen Lippenstift. Na ja, wird halt daneben gerutscht sein, denke ich mir, und suche weiter. Der Zug in Richtung Flughafen rollt schon, als ich merke, wie mein Blutdruck steigt. Wo ist denn nur dieses  Handy? Mein Sitznachbar im ICE schaut mich mitleidig an, als ich immer hektischer wühle. Verzweifelt kippe ich die Tasche aus und habe schlagartig Gewissheit. Es ist nicht da… Mein Handy ist nicht da! Mir wird heiß und kalt – gleichzeitig. Ja, ich hatte es noch einmal in die Steckdose gesteckt, jetzt fällt es mir ein. Oh nein, was für ein Albtraum! Ich würde eine Woche unterwegs sein, jeden Tag in einer anderen Stadt. Geschäftstermine, Events, Verabredungen mit Freunden. Und niemand wird mich erreichen können. Die blanke Panik erfasst mich jetzt. Ich, als Medienprofi, war plötzlich offline. Wie furchtbar! panic-1393619_640Okay, ich würde es mir sofort per Kurier nachschicken lassen, völlig klar. Aber wohin? Nein, das würde nicht funktionieren, weil ich ja ständig woanders bin. Aber es gibt ja auch Ersatz-Handys und Ersatzkarten. Alles kein Problem heutzutage. Das beruhigt mich. Trotzdem kann ich es nicht fassen. Instinktiv greife ich ständig in die Tasche. Rings um mich herum schauen alle auf ihr Handy. Alle tippen darauf rum, wirken gestresst. Ich schaue aus dem Fenster, in meinem Kopf hämmert es. “Mein Gott, es ist doch nur ein Handy”, versuche ich mich zu beruhigen. Immerhin habe ich noch mein Laptop dabei, ich bin also nicht komplett von der Welt abgeschnitten. Ich atme auf und informiere meine Geschäftspartner und Freunde, und versuche mich zu entspannen. Das will aber nicht klappen. In der ersten Nacht höre ich es plötzlich klingeln, das kann ja wohl nicht wahr sein. Im Hotel muss ich nun wieder den Weckdienst in Anspruch nehmen und werde etwas seltsam angeguckt an der Rezeption. Am zweiten Tag ohne Handy ist mein Terminplan so eng getaktet, dass es nicht reicht, mich um ein Ersatzhandy zu kümmern. Am dritten Tag auf dem Weg in einen Handy-Shop in Berlin stelle ich auf einmal fest, wie entspannt ich bin. Das digitale Detox, zumindest in der Light-Variante, hat mir überhaupt nicht geschadet, drei Tage sind schon um. Ich kaufe kein neues Handy! Denn ich bin trotzdem in Kontakt mit meinen Geschäftspartnern, telefoniere über Skype und verzichte auf viele unnötige “Whats App” -Nachrichten und das ständige checken des FB -und Twitter- Accounts. Das spart richtig Zeit! In der Bahn und an den Flughäfen fällt mir jetzt extrem auf, wie gestresst meine Mitmenschen auf ihre Handys einhacken. Kaum einer redet noch mit dem anderen. Wie schade! Ja, aber dazu gehöre ich sonst ja auch. Ich stelle jetzt fest: Viele Dinge sind gar nicht so wichtig, dass sie sofort erledigt werden müssen, manche sind gar nicht nötig. Ich verabrede mich per Skype und bin auch pünktlich vor Ort, genauso wie meine Freunde. Die obligatorische “Whats App”, dass es vielleicht etwas später werden könnte, gibt es nicht. Früher hat das doch auch funktioniert. Auch die nächsten drei Tage verlaufen ohne Probleme. Ich bin total erstaunt und extrem relaxt. Es ist die ruhigste Woche meines Lebens. Was soll ich sagen? Ich habe alle Termine geschafft, keine Aufträge verpasst, meinen Zeitplan eingehalten – und hatte wesentlich mehr Zeit für mich! Natürlich habe ich mich riesig gefreut, als ich mein Handy nach einer Woche wieder hatte. Ihr hättet mich mal sehen sollen… Mir ist aber auch klar geworden: Die Zeit, die ich täglich online verbringe, ist definitiv zu viel! Und deshalb habe ich mir vorgenommen, wenn es passt, auch ab und zu handy-freie Phasen einzubauen –  und das ganz ohne schlechtes Gewissen…